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#105 Wo bleibt die Freude?

06 Jun

„Wir alle werden älter. Deine Interessen ändern sich nun einmal. Wir können das nicht aufhalten. Lebe wie du willst. Wieso nervt dich das überhaupt? Es gibt so viel Auswahl. Du bist halt nicht die Zielgruppe. Jeder kann machen, was er will.“

Das sind subtile Anzeichen für „mich juckt es nicht, also sollte es dich auch nicht jucken“. Man muss diese Aussagen akzeptieren, denn nicht jeder kann so schwer loslassen, wie ich. Ja, ich nehme mich als Beispiel, weil ich glaube, dass die Meisten nicht so fühlen. Falls doch würde ich mich über einen Kommentar freuen.
Ich lese es täglich in Chats, unter News, auf Twitter und ich selber ertappe mich dabei die oben genannten Zitate herauszupressen.
Worum es geht? Videospiele oder besser gesagt meine Vorfreude auf Neue.

Geht es nur mir so, oder bin ich nicht mehr das Marketingziel der Spielehersteller? Wieso habe ich das Interesse an den großen Produktionen verloren? Warum drehe ich mich um 180° und kaufe NES, SNES, Famicom, Super Famicom und Mega Drive Spiele, obwohl doch so viel „Besseres“, Neueres vor mir liegt?
Ja. Ich besitze sie, ich kaufe sie sogar ab und zu, diese riesigen AAA Produktionen, mit 90% Werbeausgaben vom Gesamtbudget. Das letzte massive Etwas, war Overwatch. Ein Spiel, dem ich vom Konzept absolut nichts abgewinnen konnte. Ich habe es gekauft, weil die Charaktere tiefgründig und breit entwickelt erschienen. Nicht alleine vom Design gesprochen, ihr Verhalten, ihre Dialoge und selbst Angriffe stehen für sich. Das mag ich. In meinem Besitz befindet sich übrigens ebenso das letzte Assassins Creed, wobei ich keine Ahnung habe, ob das überhaupt noch AAA ist. Was ich nicht besitze ist der Wunsch nach Neuem. Marken, Titel, Produktionen gehen an mir vorbei. Ich bin zum Spontankonsumer geworden. Messen, wie die E3 oder GamesCom langweilen.

Die Veränderung

FromSoftwares Reihe, Bloodborne mit einbezogen, ist vielleicht das beste Beispiel. Rückblende in den April. Nach so vielen langen Monaten sollte Dark Souls 3 erscheinen. Demon Souls hat mich zu seinem Release angewidert. Das Design war schmutzig, dreckig, die Gegner gemeine Zombies und jeder hat es für seinen Ansatz gelobt. Es wollte kein perfektes Spiel für Jeden sein, es war und ist noch heute eine Herausforderung. Nichts für mich, in meinem damaligen Zockerzustand. Weiter gespult, Dark Souls wurde released und ging komplett an mir vorbei. Zu der Zeit war es nichts mehr neues, dass Spiele gemein und dreckig sind. Gefeiert wurde es von den Fans, wer wie ich nicht drin stand, an dem ging es fast gänzlich vorbei. Als dann Dark Souls 2 angekündigt wurde, hatte ich einige freundschaftliche Kontakte in der Szene gefunden und wollte mich selber der Herausforderung stellen. Verdammt, ich wollte das Spiel besiegen, ausweiden und dann auslachen. Stellte sich heraus, dass es eher mich fertig machte. Die Streams existieren noch auf meinem Kanal. Anschauen kann ich aber nicht empfehlen. Nach DS2 habe ich mich dann an DS gesetzt. Weil DeS werde ich niemals anfassen. Keinen Millimeter! Das Ergebnis war ebenfalls ernüchternd und dennoch habe ich irgendwann Gwyn besiegt, weil ich mich den Gefahren gestellt habe! Naja und weil ich alle Seelen in Belastung und Pyro gepumpt hatte. 
Aber zurück zu DS3. Habe ich mich auf DS2 noch wie damals Weihnachten gefreut, als ich meinen GameCube bekam, war DS3 eher ein „man muss ja“. Und das Gefühl existiert nicht nur bei der Souls Reihe. Mittlerweile erscheint maximal ein Spiel im ganzen Jahr, dass mich hibbelig werden lässt. 2015 war es Bloodborne, 2016 könnte es NieR werden, wird nicht, wie gemunkelt, demnächst das Releasedaten auf 2017 verschoben. Übrigens selbst Pokémon erzeugt keine übermäßige Vorfreude mehr.

Und wer hat jetzt Recht. Bin ich ultimativ aus dem Alter raus, in dem man Videospiele spielt? Sind meine Interessen zu extrem spezifisch geworden? Liegt es daran, dass ich Nintendofangirl bin? Ich kann dem allem nicht wirklich widersprechen, aber auch nicht zustimmen, weil ich zum Beispiel Wrestling weiterhin liebe und verfolge. Es ist nicht so, dass ich keine Spiele zu kaufen oder zocken habe, sie sind da. Sogar reichlich und erst Letztens ist meine Sammlung auf über 1060 angestiegen. Also was ist passiert?

Man muss ja

Seit einiger Zeit hat sich mein gesamtes Konsumverhalten geändert. Es ist nicht mehr so extrem wie damals, als ich Spiele gekauft habe, nur um sie für YouTube aufzunehmen. Ja diese Zeit existierte und ich bin froh, dass der innerliche Zwang endlich weg ist. Wenn man diesen Aspekt außen vor lässt, bleibt trotzdem eine andere Person übrig. Die Möglichkeit alles zu jeder Zeit haben zu können, hat alles verändert. Als Kind musste ich meine Eltern anbetteln in den 80km entfernten Elektronikladen zu fahren, um zu schauen, ob etwas Neues raus gekommen ist. Meistens war da aber nichts. Heute brauch man nur PayPal oder AmazonPay und in zwei Klicks hast du den neuen Hit auf deinem Gerät. Das hat einfach alles geändert.

Warum nutzt man diese Möglichkeiten? Man muss ja. Teils als Entschuldigung und teils als tatsächlicher Grund, geistert diese Aussage tief durch das eigene Gehirn. Damals wie heute gilt nämlich, lieben es alle, muss es gut sein. Mund zu Mund Propaganda, so negativ belastet das Wort auch ist, ist die beste Propaganda. Man glaubt seinen Freunden halt eher und lieber, als einer Zeitschrift oder Website, die vielleicht sogar dafür bezahlt wurde. Die Frage die dann nur noch bleibt ist, hat man genug Geld? Keine Sorge, das gilt nicht für Jeden. Aber du findest dich sicher im nächsten Absatz wieder. 
Denn als Alternative gibt es kultgleiche Sales auf den verschiedenen Online-Plattformen, die meist zeremonieller gefeiert werden, als die heutigen Religionen. Leute geben hunderte von Euros oder Dollar aus im Gedanken, dass sie dieses Spiel vielleicht einmal zocken möchten oder diese schon Jahre auf der Wunschliste hatte. Das Geld? Solange man es nicht physisch in der Hand hat, setzt keine Angst oder ein schlechtes Gewissen ein.

Ich habe Beides über Jahre betrieben. Es war auslaugend, unbefriedigend. Aber bei weitem nicht der einzige Grund, warum ich den Spaß an neuen Videospielen verloren habe. Es gibt immer zwei Seiten.

Das muss aber so

Wir haben es gut. Damals zu Atari und C64 Zeiten gab es keine Sicherheit, dass eine Kassette oder Floppy das hält, was die Werbung versprach. Es waren teilweise teure Blindkäufe und am Ende ging das Spiel nur wenige Minuten oder war vielleicht überhaupt nicht zu schaffen. Heute haben wir Zeitschriften, Webseiten, Videos, Alphas, Betas und Demos, die uns vom Kauf überzeugen oder Abschrecken können. Ja wir haben es wirklich gut. So gut, dass einer dieser Kommentare mich davon abgehalten hat ein Spiel zu kaufen, dass ich nachkaufte und heute als Perle bezeichne. So gut, dass Personen einem Sätze um die Ohren hauen wie:“aber X hat Y gesagt!“, das ultimative Argument. Und so gut, dass ganze Diskussionen um simple Formulierungen entstehen.
Die neuen Medien haben es ermöglicht, dass Jeder eine Stimme hat. Eine fantastische Sache, leider haben die Medien nicht gelehrt, wie man differenziert. Manche Leute leben wörtlich eine Monoargumentation und andere Meinungen werden im schlimmsten Fall mit Morddrohungen unterdrückt. Es gibt da diesen einen ironischen Spruch, der es perfekt zusammenfast.

So steht es im Internet, also muss es wahr sein.

Jeder der eine Stimme hat, will gehört werden. Das ist etwas rudimentäres. Und manche Leute manchmal unterstützt durch Gruppen sehen ihre Stimme als DIE Stimme an. Ihre eigene Meinung ist die einzig WAHRE! Man ist doch im Recht, wieso sollte man nicht? Es stimmt nicht, was der oder die da schreibt oder sagt! Das kann es nicht!
Sein wir ehrlich. Die Diskussion ist nicht das Problem, es ist die Art der Kommunikation und die Lautesten haben die unangenehmste Art. Sachlichkeit weicht der Provokation. Hat man keine Argumente wird beleidigt. Und manchmal reichen ein oder zwei Worte und alles eskaliert.

„Master Race“

Warum eskalieren manche Diskussionen? Das liegt am wahrscheinlichsten am Ego. Jeder hat seine eigene Meinung und diese kann sich nach einiger Zeit in ein festes Bild weiterentwickeln. Wie es war, war es gut und sollte sich niemals ändern. Es hat exakt so zu sein, wie die Leute es sich vorstellen. Neues ist nicht gern gesehen. Beispiele gefälligst? Final Fantasy hat so zu sein wie damals und 13 ist eine Missgeburt. Das ist kein Resident Evil mehr, das ist Call of Duty Kiddy-Scheiße. Der Entwickler verschiebt den Release, also muss er mit dem Leben bedroht werden, dieses faule Stück. Das Ende entspricht nicht dem, was ich erwartet habe oder wollte, ändert das ihr Schweine. Paper Mario wird scheiße, obwohl ich nur den einen Trailer gesehen habe und da keine Begleiter vorkamen, wie in meinem Lieblingsteil. Es hat genau so zu sein, wie der Konsumer es sich vorstellt, untermalt mit Beleidigungen. Selten findet man gesittete Diskussionen zu brandheißen Themen..
Dieser Gedanke alleine und die Art Diesen rüberzubringen hat mich weiter von Videospielen entfernt, als es jeder Nintendo-E3-2015-Hater jemals geschafft hätte. Ich hatte mehr Auseinandersetzungen über FF7, FF13, Resi5 und das ich Nintendo immer noch liebe in meinem bisherigen Leben als es nötig gewesen wäre. Ich wurde angebrüllt, weil ich das Gesichtstattoo von FF8 Charakter Xell hinterfragt habe. Aber das gehört dazu, es gibt immer fanatische Fans. Wenn man ruhig bleibt und an den ruhigen Anteil denkt, eskaliert die Situation nicht. Das Problem tritt erst dann auf, wenn diese Konflikte sich durch das gesamte Netz ziehen, beide Seiten sich im Ton vergreifen und hochschaukeln.

Als Final Fantasy 13 erschien, habe ich meine letzte Spielezeitschrift gekauft und das letzte mal auf eine Review gehört. Überall stand dieser eine Satz. 

„Es ist kein klassisches Final Fantasy“

Eine so extrem subjektive Aussage, die nichts in einer Beurteilung zu suchen hat, weil die Definition alleine auf persönlichen Erfahrungen beruht. Das und die Fraktion, die sich für diese neue Art von Geschichtenerzählung ausgesprochen haben, schaukelten sich auf eine so dermaßen aggressive Grundhaltung hoch, dass für mich eine Grenze erreicht war.
Ich meide seitdem Reviews oder Artikel über Spiele, die mich interessieren. Ebenso kaufe ich neu erscheinende Titel mittlerweile nur noch blind. Ich lasse mich nicht hypen oder umstimmen. Ebenso ignoriere ich die Leute, welche gegen Vorbestellungen predigen. Und das hat mich Videospiele gegenüber recht unemotional werden lassen.

wo bleibt der Spaß

Ich bin gealtert, habe gelernt, dass Menschen im Internet nicht immer richtig liegen und gehe nur noch blind auf Spiele zu. Meine Interessen haben sich festgelegt, meinen Horizont erweitere ich gerne, aber nur zu einem günstigen Preis. Ich vertrete meine Meinung auf eine ruhige Art und gehe Konflikten lieber aus den Weg. Trailer und Leaks gehen meistens an mir vorbei und selbst der größte Hype kann mich mal kreuzweise. Und ich habe den Spaß und das Interesse an all dem verloren. 
Der Grund ist, das mögliche Antreffen einer Person, die anderer Meinung ist und diese auf vulgäre Art unterstreicht. Gaming hat etwas mit Gemeinsamkeit zu tun. Es gibt nicht ohne Grund für alles eine Community. Aber in den letzten Jahren hat sich in fast allen Richtungen eine kleine und extrem laute, aggressive Schimmelschicht auf der leckeren Marmelade ausgebreitet. Abkratzen funktioniert nicht, weil es immer Überreste gibt, die sich schon tief ins Glas gegraben haben. Ich gebe es zu, ich bin resigniert. Mein Interesse hat sich geändert, wegen Anderen.
Das heißt nicht, dass ich die Videospielcommunity an sich aufgegeben habe. Viel mehr sehe ich nach dem Ausblenden der großen lauten Blasen die kleinen Stimmen. Sozusagen das, was hinter dem Rand der Allgemeinheit existiert. Indieentwickler, die ihre Arbeit auf Twitter teilen, YouTuber, so klein, dass sie noch nicht mal durch die Suche zu finden sind oder Speedrunner. Das was man sonst niemals finden würde. Es ist alles etwas technischer und persönlicher geworden. 

Aber wo bleibt der Spaß? Er ist ebenso persönlicher geworden, pragmatischer. Die Vorfreude hält sich in Grenzen, schmälert beim Zocken aber nicht mehr den Spaß, wenn das Spiel doch enttäuscht. Ebenso kann man positiv überrascht werden, falls etwas Gutes dabei ist. Nach so vielen Jahren weiß man dann noch in etwa, welchen Firmen man vertrauen kann und das hilft. Das sind leider nicht mehr die großen Tiere. Zu oft wurden wir Gamer mit Plattitüden enttäuscht. Ein wenig den Fokus auf kleinere Fische im Teich zu richten, kann glücklicher machen. Sowie aktiv Seiten wie „itch.io“ oder „gog.com“ nach den Perlen zu durchsuchen. 

Ich bin mir nicht sicher ob ich traurig oder dankbar sein soll. Natürlich fehlen die Schmetterlinge im Bauch, wenn man jeden Tag nach News zu dem einen Spiel sucht, schneller ist als die Freunde und dann damit angeben kann. HA! Alter Hut! Andererseits freut man sich mehr, wenn dann das Spiel plötzlich im Postfach liegt, anstatt Wochen traurig zu sein, dass es nicht da ist. Es ist ein zweischneidiges Schwert, was je nach Situation frustrieren oder überraschen kann.
Warum ich mittlerweile aber lieber alte Spiele kaufe, als Neue, hat einen anderen Grund. Ich möchte nachholen, entdecken und selber herausfinden, warum Leute manche Spiele so verehren. Etwas, was ich übrigens Jedem empfehlen kann.

Und?

Abschließend brennen mir einige Fragen auf der Zunge. Bin ich die Einzige, die sich durch die angestiegene Konfliktbereitschaft über Videospiele von den Mainstreamfirmen größtenteils abgewandt hat? Hat sich für dich dein Spielkonsum verändert? Hast du noch Spaß? Lässt du dich hypen? Wie sieht es mit Indiespielen aus? Welche Spieleserie kaufst du dir immer?
Ich würde mich auf deine Sicht freuen und bedanke mich für das Lesen.

 

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